Krieg und Kino. Der Zweite Weltkrieg und die USA aus der Sicht des Hollywood-Kriegsfilmgenres 1967 bis 1970

Nom de l'auteur
Philip
Wegmüller
Type de travail
Mémoire de licence
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
Prof.
Stig
Förster
Institution
Historisches Institut
Lieu
Bern
Année
2000/2001
Abstract

Historienfilme stellen ein derart populäres Genre dar, dass Produzenten und Regisseure seit Beginn der Geschichte des Films sich immer wieder gerne in diesem Bereich betätigt haben. Das gilt auch und gerade für den historischen Kriegsfilm, der besonders in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre einen neuerlichen Aufschwung bekommen hat. Es kann vermutet werden, dass ein Grossteil des Publikums seine historischen Kenntnisse vorwiegend aus diesen Leinwandspektakeln bezieht. In dieser Lizentiatsarbeit wird untersucht, welche Bilder und Vorstellungen dem Publikum auf diese Weise vermittelt werden. Liefern historisch angelehnte Kriegsfilme nur Propaganda und Geschichtsfälschung, oder gibt es dennoch Filmschaffende, die sich um Genauigkeit und Realitätsnähe bemühen? Wie erfolgreich ist derartiges Bemühen? In welchem Verhältnis steht der Historienfilm zu anderen Formen der Geschichtsdarstellung, insbesondere zur Geschichtswissenschaft? In welchem Masse kann der Kriegsfilm als Quelle für jene Zeit gelten, in der er entstand?

 

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Hollywoodfilme über den Zweiten Weltkrieg, die auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen in den USA über den Vietnamkrieg gedreht wurden. Die Analyse verbindet also zwei ganz besonders dramatische Perioden der Geschichte, die für die Entwicklung der USA und das Selbstverständnis ihrer Bürger von herausragender Bedeutung waren.

 

Als erstes geht die Arbeit auf die Geschichte des Kriegsfilmgenres in Hollywood ein. Dabei wird deutlich, dass jahrzehntelang der Propagandacharakter überwog. Insbesondere während und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war in den Werken ein heroisierender, triumphaler Ton kennzeichnend. Hier kam der von Bernd Greiner für jene Phase diagnostizierte Begriff «Victory drive» zum Ausdruck. In der US-Literatur zu diesem Themenkomplex, etwa bei Tom Engelhardt, ist auch von «Victory culture» die Rede. Diese sollte sich Ende der 1960er Jahre unter dem Eindruck des zermürbenden und moralisch so zweifelhaften Vietnamkriegs dramatisch verändern. Eine traumatisierte Nation stellte sich gar auf das Ende jener «Victory culture» ein.

 

Auf diese Phase fokussiert die Studie. Von den zwölf einschlägigen Kriegsfilmen der Jahre 1967–1970 werden die auf VHS bzw. DVD greifbaren acht im Detail analysiert. Alle acht Filme, darunter «Anzio», «The Bridge at Remagen», «Kellyís Heroes», «Catch-22», «Patton», «The Devilís Brigade», «Castle Keep» und «The Dirty Dozen», behandeln reale oder fiktive Episoden des Zweiten Weltkriegs, wobei natürlich US-Soldaten im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Anhand dieser Werke wird insbesondere der Frage nachgegangen, wieweit diese sich als Quellen zur Epoche ihrer Entstehung eignen. In einem zwanzigseitigen Kapitel wird die Geschichte der USA, der Wirkungsweise ihrer Verfassung sowie der Entwicklung von Normen, Werten und Mentalitäten nachgegangen. Patriotismus, Sendungsbewusstsein und das sich seit Pearl Harbor durchsetzende Bestreben, als Weltpolizist die amerikanischen Werte über den Globus zu verbreiten, sind dabei die kennzeichnenden Tendenzen bis in die 1960er Jahre hinein. Durch die Kriegsgräuel in Vietnam wurden Selbstbewusstsein und Werte jedoch zunehmend in Frage gestellt.

 

In dieser Filmanalyse interessiert gerade auch die Rolle, die diese Werte in den ausgewählten Kriegsfilmen noch spielen. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, ob die Filme ein realistisches Bild des Zweiten Weltkriegs abgeben. In beiden Bereichen kommt die Studie zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. So stellen manche Werke wie etwa «Catch-22» und «Kellyís Heroes» einen direkten Angriff auf die traditionellen amerikanischen Werte dar und verhöhnen geradezu das Genre des bis weit in die 1960er Jahre patriotischen Kriegsfilms. Andere Werke wie «Patton» oder «The Dirty Dozen» gehen hier nicht so weit, sondern enthalten eine eher ambivalente Botschaft.

 

Immerhin, kritikloser Patriotismus ist auch ihnen fremd. Im Hinblick auf die Realitätsnähe sind deutliche Unterschiede auszumachen. So erheben die beiden satirischen Grotesken «Catch-22» und «Kellyís Heroes» nicht einmal den Anspruch, bekannte Begebenheiten abzubilden. Auf der anderen Seite bemühen sich «Anzio» und «The Devilís Brigade» scheinbar um Realismus, doch wirken sie gerade deswegen verfälschend, weil sie in der Tat am historischen Material herummanipulieren.

 

Die Arbeit kommt zu dem Resultat, dass sich Filme nicht als Ersatz oder auch nur als Illustration der Geschichtswissenschaft eignen. Die inneren Notwendigkeiten des Mediums, der Zwang zum Pointieren, Vereinfachen und Verkürzen sowie zum Dramatisieren und zum Effekt behindern die Möglichkeit, dem Prinzip der historischen Genauigkeit gerecht zu werden. Die Zweitweltkriegsfilme aus den Jahren 1967–1970 haben jedoch eines gemeinsam: Von der «Victory culture» ist bei ihnen unter dem Eindruck von Vietnam nur noch sehr wenig übrig geblieben.

Accès au document

Bibliothèque

Les travaux académiques sont déposés à la bibliothèque de l'université concernée. Cherchez le travail dans le catalogue collectif des bibliothèques suisses