Voraussetzung
Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss sich der Eiserne Vorhang und trennte Europa in Ost und West. Die wirtschaftliche Entwicklung vor und hinter dem Vorhang unterlag von da an unterschiedlichen Einflüssen. Westlich des Vorhangs dominierte die Marktwirtschaft, östlich davon die Planwirtschaft. In Westeuropa wurde 1947 mit der Ankündigung des European Recovery Program (ERP) der Aufbau der kriegsversehrten Länder in Angriff genommen. In Osteuropa bildete sich schliesslich 1949 – unter anderem als Antwort auf das westeuropäische Unternehmen – der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Mitgliedsländer waren die Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei. Im Jahre 1950 trat schliesslich auch die DDR dem RGW bei. Später kamen die Mongolische Volksrepublik (1962), Kuba (1972) und Vietnam (198) hinzu.
Durch die Bildung des RGW und die anschliessende Embargopolitik westlicher Staaten wurde dieser immer stärker von der Weltwirtschaft abgetrennt. Um von den konjunkturellen Schwankungen des Weltwirtschaftsystems unabhängig zu sein, führte der RGW 1950 so genannte Stopp-Preise ein. Anlass dazu war der Ausbruch des Koreakrieges und die darauf folgenden Preiserhöhungen auf dem Weltmarkt. Für die Preisgestaltung bedeutete dies, dass weiterhin die Preise der Jahre 1949/50 galten, was zu einer Verstärkung der Abgrenzung beitrug. Eine Abkoppelung von der Weltwirtschaft war jedoch kaum möglich, erste Einflüsse zeigten sich schon 1952, als die zuvor eingefrorenen Preise teilweise wieder der weltwirtschaftlichen Entwicklung angepasst wurden. 1958 wurde diese Problematik damit behoben, dass man sich zwar für die Orientierung an den Weltpreisen entschied, diese jedoch nicht direkt übernahm, sondern auf der Grundlage mehrerer Jahre als Durchschnitt errechnete.
Untersuchung
Vor diesem Hintergrund zeigt die Arbeit auf, dass die Zusammenarbeit im RGW erst gegen Ende der 1950er-Jahre allmählich zustande kam. Die isolierte Position des RGW führte dazu, dass die Rohstoffversorgung zunehmend innerhalb des RGW selbst gedeckt wurde. Durch den Beschluss des RGW 1958, die Petrochemie auch in Ländern ohne eigene Erdölvorkommen aufzubauen – so in Ungarn, Polen, der DDR und der Tschechoslowakei –, konnten sich diese Länder einen wichtigen Energieträger sichern. Die Sowjetunion mit ihren grossen Energieträgerressourcen übernahm deshalb gegen Ende der 1950er-Jahre die Hauptversorgung der kleineren RGW-Staaten mit Energieträgern. Dies führte zu einer zunehmenden Abhängigkeit der RGW-Mitglieder von der Sowjetunion.
Durch diese Abhängigkeit war es der Sowjetunion möglich, die Energielieferungen an Investitionsbeteiligungen zu koppeln: Nur jene Länder konnten mit der Lieferung des entsprechenden Energieträger rechnen, die sich auch an dessen Erschliessung oder dem Aufbau der Transportnetze (Pipelines) beteiligt hatten. Die Arbeit zeigt, dass für die Sowjetunion diese Investitionsbeteiligungen je länger, umso wichtiger waren, da sich die Erdölförderung zunehmend verteuerte und die durchschnittliche Wachstumsrate der Erdölförderung abnahm. Der Ausbau des Pipeline-Netzes kam durch die Koppelung Rohstoffe gegen Investitionen schnell voran, was zu einer Zunahme der Exporte führte.
Die Öllieferungen der UdSSR in die RGW-Mitgliedstaaten nahmen auch nach der Ersten Ölpreiskrise 1973/74 nicht ab. Der Grund dafür war die im RGW geltende Preisgestaltung. Die Arbeit zeigt, dass bis ins Jahr 195 die auf dem Weltmarkt ansteigenden Preise noch keinen Einfluss auf die RGW-Preise hatten. Nach einer von der Sowjetunion durchsetzten Änderung der Preisberechnung änderte sich dies jedoch und die Preise für Erdöl begannen auch innerhalb des RGW zu steigen.
Die DDR reagierte darauf mit Preisänderungen auf der Industriepreisebene. Diese Preiserhöhungen durften jedoch nicht auf die Verbraucherpreise abgewälzt werden. In der zweiten Hälfte der 190er-Jahre verstärkte die DDR dann schliesslich auch die Durchsetzung der rationellen Energieanwendung. Diese Massnahmen zum Einsparen von Wärmeenergie und Beleuchtung sowie Massnahmen zum effizienten Einsatz von Brennstoffen bildeten die Vorläufer einer umfassenden Energieträgersubstitution. Die Zweite Ölpreiskrise 1979/80 mit erneut steigenden Ölpreisen, die hohe Auslandverschuldung sowie zunehmende Probleme bei der Einfuhr von Steinkohle, Koks, Erdgas und Erdöl waren für die DDR Gründe, importierte Energieträger wie Erdöl und Steinkohle durch die eigene Braunkohle zu ersetzen. Aber auch aufgrund von Preisprognosen kam die DDR zum Schluss, dass die Förderung und Veredelung der Braunkohle in Zukunft rentabler sei, da mit einem immer weiter ansteigenden Ölpreis gerechnet wurde. Kraft- und Heizwerke auf Heizölbasis wurden aus diesem Grund nicht mehr gebaut und die bestehenden für den Einsatz von festen Brennstoffen, d.h. Braunkohle, umgerüstet. Spätestens die sinkenden Preise für Erdöl nach 1985 führten der DDR vor Augen, dass ihre Energiepolitik in eine falsche Richtung führte. Der Kampf gegen jede Verschwendung war zwar erfolgreich – das Heizöl wurde zu grossen Teilen substituiert –, doch der umfassende Einsatz von Rohbraunkohle stellte ebenfalls eine Verschwendung dar, denn energiewirtschaftlich effizient konnte ein solches Vorgehen nicht sein.