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CfP: Geschichte in Gummistiefeln: Körper in der Landwirtschaft

15. Janvier 2021 Add to calendar
Appel à communication

Call for Articles für ein Themenheft von Body Politics. Zeitschrift für Körpergeschichte zu:
Geschichte in Gummistiefeln: Körper in der Landwirtschaft

Nutztiere bevölkern unsere Welt in unterschiedlichster Gestalt: Als Arbeitstiere, Produzentinnen von Fleisch, Milch, Eiern, Pelzen und pharmazeutischen Substanzen, als Organ-Ersatzteillager, Mast- oder Schlachtkörper. Nutztierkörper, die trotz (oder vielleicht gerade wegen der Human-Animal-Studies) im Schatten der Haus-, Zoo- und Labortiere stehen, veränderten unsere Vorstellungen von gesunden, leistungsfähigen, hygienischen, kranken und zu optimierenden Körpern grundlegend. Eine der zentralen Fragen zu den Verschränkungen von Menschen und Nutztieren zielt auf die konkrete Produktion von Gesundheit und Krankheit in der landwirtschaftlichen Nutzung von Tieren. Denn dass Veterinär- und Humanmedizin, tierische und menschliche Gesundheit über die Gesundheitsindustrie, über Forschung, Ernährung und Umwelt eng miteinander verschränkt sind, wird unter dem Schlagwort One Medicine beziehungsweise One Health schon länger diskutiert und gelangt immer auch wieder in den Fokus der Medien, so etwa bei der Vogelgrippe, Sars oder jüngst der Afrikanischen Schweinegrippe sowie – bislang jedoch bloss am Rande – bei COVID-19. Aber darüber, was genau in den Ställen und auf den Feldern geschieht, wenn Tiere genutzt werden, und wie dabei Gesundheit und Krankheit produziert werden, gibt es erst wenige historische Studien.

Nicht mehr in erster Linie Viren, sondern immer stärker die sogenannten Produktionskrankheiten beherrschten die Sorge um die Nutztierkörper seit dem 2. Weltkrieg. Aus dieser Perspektive sind tierische und menschliche Gesundheit und Krankheit nicht nur über den direkten Kontakt oder den Konsum, wie beispielsweise bei Hormon-Fleisch, miteinander verflochten, sondern auch über die landwirtschaftliche Produktion von Fleisch, Milch und Eiern: Etwa als gegenseitige Träger von Parasiten, Ressourcen für die Herstellung pharmazeutischer Stoffe oder als Produzenten von Resistenzen. Denn als immer mehr Kraftfutter in die Ställe gekarrt wurde, kam es nicht nur zu einer zunehmenden Verfütterung von Abfällen aus der industriellen Nahrungsmittelproduktion an Tiere, sondern es wurden etwa auch Abfallprodukte der Antibiotikaproduktion in geringen Dosen zu Mastzwecken an Hühner, Schweine und Kälber verfüttert. Die neuen Verwertungsketten von Verarbeitungsabfällen hoben die Grenzen von Konsum und Produktion gleichsam auf und führten zu neuen Kreisläufen, welche die menschlichen und nichtmenschlichen Tiere nicht nur im Hinblick auf ihre Nährstoffketten, sondern auch das Krankheitsgeschehen miteinander verwoben. Die Nutztiere wechselten die Systemstellen in diesen Kreisläufen von Produktion, Konsumation und Reproduktion immer wieder. Neben der Fütterung sind auch Zucht und Haltung mögliche Einfallstore für neue Fragen zu den Mensch-Tier-Interaktionen im Stall und auf dem Feld.

Im hier angedachten Heft von Body Politics sollen Nutztierkörper auf ihre konkreten gesellschaftlichen, medizinischen und polit-ökonomischen Effekte hin befragt werden. Der vorgeschlagene Band zu Tieren in der Landwirtschaft soll unterschiedlichste Perspektiven und methodische Zugriffe auf animalische und humane Körper im ländlichen und im städtischen Raum versammeln. Stärker als am theoriegeleiteten Nachdenken über die agency von Nutztierkörpern ist dieses Heft an quellengesättigten, konkreten Analysen zu Nutztieren in Ställen, auf Feldern, in Schlachthäusern, in Fabriken oder in universitären und industriellen Forschungseinrichtungen interessiert. Bei der Produktion von Gesundheit und Krankheit von und durch Nutztiere an den Grenzen von animal studies, Körper- und Veterinärmedizingeschichte ist körpergeschichtliche Forschung in Gummistiefeln erwünscht, die aufzeigt, inwiefern auch tierische Stoffwechsel eine Geschichte haben.

Beitrag
Wenn Sie einen Beitrag für dieses Themenheft von Body Politics vorschlagen möchten, senden Sie bitte bis zum 15. 1. 2021 ein Abstract von max. 1 Seite an beat.baechi@uzh.ch

Organisé par: 
Beat Bächi, Universität Zürich

Contact

Beat Bächi

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Coûts de participation

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