Rezension: Béatrice Ziegler - Nationaler Ausnahmezustand und individuelle Lebensbewältigung

In ihrem Buch Nationaler Ausnahmezustand und individuelle Lebensbewältigung untersucht Béatrice Ziegler, wie Menschen ihren Alltag in Zeiten des Krieges angesichts staatlicher Vorsorge, Einschränkungen und Vorschriften bewältigen. Unter Verwendung von lokalen Quellen geht sie den Verhaltensweisen der aargauischen Bevölkerung im Zusammenhang mit der Verdunkelungspflicht, der Rationierung und der Lenkung des landwirtschafltichen Anbaus in der Schweiz zur Zeit des Zweiten Weltkriegs nach. Im Kontrast zur bisherigen historischen Darstellung werden der vielfältige zivilgesellschaftliche «Ungehorsam» und die zahlreichen Konfliktsituationen dargestellt, die trotz des staatlichen Zwangssystems mit seinen Sanktionierungsandrohungen und Strafverfolgungen auftraten. Das Buch korrigiert so das Bild einer geeinten widerständigen Bevölkerung, wie es die Forschung lange überliefert hat.

Simone Chiquet gibt in ihrer Rezension einen Überblick über die zentralen Thesen, die Quellen und die Ergebnisse aus den drei untersuchten Themenkomplexe. Sie sieht das Verdienst des Buchs in der Herausarbeitung einer lokalen Perspektive, die «einen anderen Blick auf die Auswirkungen staatlichen Handelns im Alltag» ermöglicht. Die Publikation sei ein wertvoller «Beitrag für die nach wie vor aktuelle Auseinandersetzung mit der Geschichte der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs [...], in der noch lange nicht alle vielversprechenden Quellenbestände alltagsgeschichtlich ausgewertet worden sind.»

 

Lesen Sie die Rezension auf infoclio.ch und HSozKult und das ganze Buch in open access auf der Webseite des Chronos Verlags.

 

Chiquet, Simone: Rezension zu: Ziegler, Béatrice: Nationaler Ausnahmezustand und individuelle Lebensbewältigung. Aspekte des Alltagslebens in der Schweiz, 1939–1945, Zürich 2025, in: infoclio.ch, 25.09.2026,<https://www.infoclio.ch/de/rez?rid=155867>.