Mitte des 20. Jahrhunderts verfielen Chirurgen auf die Idee, den Wahnsinn mit dem Skalpell zu bekämpfen. Mit zweifelhaftem Ergebnis: Der Schnitt ins Gehirn stellte psychisch Kranke ruhig, ohne sie zu heilen. Zehntausende wurden Opfer der Lobotomie, vor allem Frauen. Marleen war eine von ihnen. Ina Boesch stiess durch einen glücklichen Zufall auf die Akte ihrer psychisch kranken Tante. Jetzt erzählt sie die Geschichte von Marleen, über die während ihrer Kindheit nur in Andeutungen gesprochen wurde. Sie zeichnet den Leidensweg der geheimnisvollen holländischen Verwandten nach: An Schizophrenie erkrankt, wurde Marleen 1947 lobotomiert. Danach verbrachte sie den Rest ihres Lebens in psychiatrischen Anstalten. Marleens Schicksal ist repräsentativ für die Medizingeschichte der 1940er- und 1950er-Jahre. Gleichzeitig beleuchtet Ina Boesch den Umgang ihrer Familie mit der psychischen Erkrankung. Damit gelingt ihr eine persönliche Annäherung an einen fatalen Irrtum der Medizin.
Ina Boesch ist Kulturwissenschaftlerin und freischaffende Publizistin. Sie war viele Jahre Kulturredakteurin bei SRF 2 und ist Autorin mehrerer Sachbücher, darunter «Weltwärts» (Hier und Jetzt 2021) und «Schauplatz Avers. Geschichten einer Landschaft» (Hier und Jetzt 2023).
Das Buch erscheint Ende April im Verlag Hier und Jetzt.
Vernissage: Montag, 18. Mai, 18 Uhr, Kulturhaus Helferei, Zürich
Lesung und Gespräch mit Ina Boesch, Moderation: Caroline Arni
Lieu de l'événement
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