Die Missionsgesellschaft Bethlehem entsandte 1938 erstmals Missionare nach Südrhodesien, das heutige Simbabwe, um dort Missionsstationen von Jesuiten zu übernehmen und vor allem durch Schulgründungen die Evangelisation der afrikanischen Bevölkerung zu erreichen. In dieser noch kolonial geprägten Situation fand sich die Missionsgesellschaft in einer Mittelposition zwischen rhodesischem Staat und afrikanischer Bevölkerung. Spätestens nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung gegenüber Grossbritannien im Jahr 1961 etablierte sich eine rassistische Gesetzgebung der weissen rhodesischen Minderheitenregierung unter Premierminister Ian Smith. Die Ungerechtigkeiten dieser Regierung führte zu klaren Stellungnahmen der katholischen Kirche Simbabwes zu Gunsten des erstarkenden afrikanischen Nationalismus. Auch die Missionsgesellschaft Bethlehem äusserte sich kritisch gegenüber den Verfassungsänderungen und der damit einhergehenden Diskriminierung der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung.
Die Arbeit untersucht die Motivation und Berufung der einzelnen Missionare anhand zweier Beispiele, analysiert die Positionierung der Missionsgesellschaft und der katholischen Kirche in der politischen Situation und beleuchtet die konkreten Praktiken der Missionsgesellschaft und Missionare für die Befreiungsbewegung in Simbabwe von 1970-1981.
In einem ersten Teil wird die Entwicklung des Missionsverständnisses erläutert und ein historischer Abriss zur Geschichte Simbabwes von der Kronkolonie bis zur Unabhängigkeit gegeben. In diesem Kapitel wird ersichtlich, dass die Missionsgesellschaft mit dem Wandel des Missionsgedankens die sich entwickelnde Afrikanisierung unterstützte und in gewissen Bereichen gar vorantrieb. So kann man in der Entwicklung der Missionsgesellschaft Bethlehem bis in die 1970er Jahre von einer Diversifikation und Dezentralisierung sprechen, welche dem aufkommenden afrikanischen Nationalismus Rechnung trug.
Im Kapitel zur Positionierung der katholischen Kirche und der Missionsgesellschaft zwischen afrikanischem Nationalismus und rhodesischer Front wird ersichtlich, dass in Hirtenbriefen klar für die Befreiungsbewegung Stellung bezogen wurde und die Missionsgesellschaft Bethlehem festigende Kontakte zu den afrikanischen Parteien, wie der Zimbabwe African National Union (ZANU) unter Robert Mugabe und Joshua Nkomos Zimbabwe African People‘s Union (ZAPU) unterhielt. Bestärkt wurde die Missionsgesellschaft dadurch, dass sich die Gesellschaftsleitung und der Bischof vor Ort klar für eine Unterstützung der Befreiungsbewegung aussprachen.
Solche Beziehungen, wie jene der Zimbabwe Kommission zu den oben erwähnten Parteien, wurden auch auf niedrigerer Hierarchiestufe zwischen einzelnen Missionaren und den Guerillagruppen gepflegt. Im zentralen Kapitel der Arbeit wird auf diese Kontakte in Form von Briefen, materieller und ideeller Unterstützung sowie Publikationen in der gesellschaftseigenen Zeitung „Moto“ eingegangen. In der Analyse dieser Kontakte konnte gezeigt werden, dass es sich um gegenseitige Hilfeleistungen zwischen den Missionaren und den Guerillaeinheiten handelte. Während die Missionsstationen bei der Versorgung mit Nahrung, Medikamenten und Benzin hilfreich waren, sorgten die Guerillagruppen für sichere Wege und die Möglichkeit für die Priester die Aussenstationen weiter zu betreuen. Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass diese informellen Kontakte die einzelnen Missionsstationen in den Kriegsgebieten in der Diözese Gwelo vor allem zwischen 1976 und 1979 vor grösseren Schäden und Verlusten bewahrte. Die Untersuchung des Engagements der Missionare von Immensee zeigt, dass diese trotz Verbannungen und Gefängnisstrafen durch die Regierung sowie Morden, auch seitens der Befreiungsbewegungen den Leitsatz „Whatever comes, we have to stay with the people“ tatsächlich umsetzten.
„Whatever Comes, we Have to Stay with the People“. Das Engagement der Missionare von Immensee für die Befreiungsbewegung in Simbabwe 1970-1981
Type de travail
Mémoire de master
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
Prof.
Brigitte
Studer
Institution
Historisches Institut
Lieu
Bern
Année
2008/2009
Abstract