Die 'gefährlichen Generalstreiktage' vom November 1918 in Graubünden

13.11.2018 - 20:00 Add to calendar

Vortrag von Prof. em. Dr. Jakob Tanner, Zürich

Der Landesstreik vom November 1918 gilt als grösste Krise in der Geschichte des schweize- rischen Bundesstaates. Seit Willi Gautschis Standardwerk von 1968 ist klar, dass diese innen- politische Konfrontation, in der sich für drei Tage um die 100'000 Soldaten und eine Viertelmillion Streikende gegenüberstanden, ohne die Verschlechterung der sozialen Lage in breiten Bevölkerungsschichten über die langen Kriegsjahre hinweg nicht verstanden werden kann. Unmittelbarer Streikgrund waren allerdings die provokanten Truppenaufgebote ab dem 5. November.

Dass das Oltener Aktionskomitee (OAK), die Streikleitung, die Flucht nach vorne in einen unbefristeten Generalstreik wagte, hing aber auch mit der bei Kriegsende aufkommenden Hoffnung auf eine sozialpolitische Wende zusammen. Das OAK beugte sich schliesslich dem Ultimatum der Regierung, die mit einer gewaltsamen Beendigung des Streiks drohte, und beschloss die bedingungslose Kapitulation.
So erfolglos dieser „Emanzipationskampf der Arbeiterschaft“ (Gautschi) zunächst erschien, so wenig blieb er folgen- oder ergebnislos. Er lässt sich vielmehr als ein demokratisches Er- eignis deuten, das wichtige innenpolitische Fragen des 20. Jahrhundert geworfen und einen – allerdings keineswegs linearen – Einfluss auf die politische Kultur in der Schweiz ausgeübt hat.

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