"Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, Hände zum Helfen". Die Entwicklungszusammenarbeit der Caritas Schweiz in den 1970er Jahren

Nom de l'auteur 
Furer Alisha
Type de travail 
Masterarbeit / Mémoire de master
Statut 
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur 
Prof. Damir Skenderovic
Codirecteur 
Institution 
Seminar für Zeitgeschichte
Lieu 
Fribourg
Année 
2016/2017
Abstract 


Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Entwicklungszusammenarbeit der Caritas in einer entwicklungspolitisch prägenden Zeit, mit weltweiten sowie schweizerischen Umbrüchen, zu untersuchen. Dabei ging es darum, die verschiedenen Einflüsse auf die Entwicklungstheorie/-praxis der Caritas zu ergründen. Motive und Konzepte der Caritas wurden in den Vergleich zu weltweiten entwicklungspolitischen Strömungen gestellt. Der Frage wurde nachgegangen, inwiefern die theoretischen Bestrebungen bezüglich der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort praktisch umgesetzt wurden. Ebenso wurde die Zusammenarbeit der Caritas Schweiz mit dem Eidgenössischen Politischen Departement, den schweizerischen Bischöfen und anderen Hilfswerken untersucht.
Für dieses Vorhaben wurden Quellen aus dem Staatsarchiv Luzern, dem bischöflichen Archiv Solothurn/Basel, sowie dem Bundesarchiv Bern analysiert. Anhand dieser Quellenbasis wurden Kategorien für die qualitative Inhaltsanalyse gebildet. Einerseits konnte festgestellt werden, dass die Caritas die humanitären Nöte der 1970er Jahre ähnlich einschätzte wie andere entwicklungspolitische Organisationen. Andererseits befand sie sich bezüglich ihrer Argumentation über die «Unterentwicklung», sowie in der Frage nach der Schuld daran in einer Spannung zwischen der modernisierungstheoretischen und dependenztheoretischen Interpretation. Auch aus einem katholischen Standpunkt, im Lichte der Säkularisierung der schweizerischen Kultur und des Zerfalls des katholischen Milieus, stellten die 1970er Jahre für die Entwicklungszusammenarbeit der Caritas eine Überlagerung verschiedener Perioden dar. Während den für die Caritas zu ideologischen Diskussionen der anderen Hilfswerke, basierte sie ihre entwicklungspolitischen Kenntnisse auf die bewährten Erfahrungen vor Ort.
Inmitten der Enttäuschungen über mangelnde entwicklungspolitische Erfolge, dem Kräftemessen zwischen den grossen Theorien, der vermeintlichen Öffnung der katholischen Weltanschauung und den Diskussionen über das schweizerische Bundesgesetz über die internationale Entwicklungspolitik, setzte die Caritas zu einer Neuorientierung ihrer Entwicklungszusammenarbeit an.