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Austrian Books Online - Das Digitalisierungsprojekt der österreichischen Nationalbibliothek

In einem spannenden Vortrag im Rahmen der Reihe Library Science Talks erläuterte am vergangenen Dienstag Max Kaiser, Leiter der Abteilung für Forschung und Entwicklung der Österreichischen Nationalbibliothek ÖNB, das bislang grösste Buch-Digitalisierungsprojekt Österreichs und beschrieb die Zusammenarbeit mit dem Partner Google.

Das Projekt sieht die Digitalisierung des gesamten historischen Buchbestandes der ÖNB vom 16. bis zum 19. Jahrhundert vor. Um dieses gewaltige Vorhaben bewältigen zu können - rund 600'000 Bücher sollen digitalisiert werden, was rund 200 Millionen Buchseiten entspricht - ging die ÖNB eine Partnerschaft mit Google ein. Nur dank dieser sogenannten Public Private Partnership ist es möglich, das Projekt innerhalb von ein paar wenigen Jahren durchzuführen.

Max Kaiser legte in seinem Vortrag dar, wie es der ÖNB gelungen ist, in ausführlichen Verhandlungen mit Google einen Vertrag auszuarbeiten, der die Interessen der ÖNB wahrt und den Empfehlungen der Europäischen Kommission zur Digitalisierung und Online-Zugänglichkeit von Kulturgütern zu folgen (siehe auch den Bericht des Ausschusses der Weisen vom 10. 01. 2011 (PDF)). Die wichtigsten Punkte:

  • Es werden nur Urheberrechtsfreie Werke digitalisiert
  • Google erhält kein Exklusivrecht auf die Digitalisierung des Buchbestandes
  • Die ÖNB begleitet den Digitalisierungsprozess und gibt Google immer wieder Rückmeldungen zur Verbesserung
  • Der Prozess ist für die Öffentlichkeit transparent (was etwa durch ausführliche FAQs auf der Website der ÖNB erreicht wird)
  • Der digitalisierte Buchbestand wird vollständig für die nicht-kommerzielle Nutzung zur Verfügung stehen.
  • Neben der Google Buchsuche wird der Bestand auch über die virtuelle Bibliothek Europeana zugänglich sein.

Max Kaiser beschrieb die Zusammenarbeit mit Google als sehr professionell. Als einer der grössten Herausforderungen des Projekts nannte er aber das Abstimmen der Zeitpläne von Google und der ÖNB. Für beide Partner bedeutet das Projekt eine grosser Aufwand. Auf Seiten der ÖNB arbeiten über 70 Personen am Projekt mit. Neben den logistischen Arbeiten, bedeutet das Projekt auch einen grossen Aufwand im Bereich der Katalogisierung, da die Metadaten der Bücher teilweise nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Um mögliche Schäden zu vermeiden wird auch das Institut für Restaurierung der ÖNB stark in das Projekt einbezogen.

Das Projekt zeigt, dass Public Private Partnerships für öffentliche Institutionen eine gute Möglichkeit sind, um grosse Digitalisierungsprojekte in nützlicher Frist bewältigen zu können. Bedingung dafür ist allerdings ein gut ausgearbeiteter Projektvertrag, der - ganz im Sinne der Empfehlung des Europäischen Kommission - "fair and balanced" ist.