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CfP: Schulalltag und Schulwissen im Kontext der helvetischen Schulumfrage von 1799

1. Dezember 2014 Add to calendar
Call for papers

Die historische Bildungsforschung - darunter vor allem die Schulgeschichtsforschung - war in den vergangenen Jahrzehnten rapiden methodischen und thematischen Wechseln unterworfen. Aus ideen- und personengeschichtlichen Traditionen stammend erlebte sie in den 1970er Jahren eine sozialgeschichtliche Wende, die neue Fragen nach dem Funktionieren von Bildungsinstitutionen aufwarf und das Interesse an der historischen Bildungswirklichkeit nachhaltig artikulierte. Unbestreitbar herrschte lange Zeit die Perspektive ‚von oben‘, mit der vorwiegend das städtische höhere Schulwesen betrachtet wurde und die den Eindruck vermittelte, als hätten sich die Entwicklung der Erziehungsprogramme des 18. Jahrhunderts in klaren Phasen und aufeinander aufbauend vollzogen. Damit wurde jedoch die Schulwirklichkeit idealistisch verkürzt, denn die Durchschlagskraft der Reformbemühungen im 18. Jahrhundert vollzog sich je nach Kontext sehr unterschiedlich. Die Summe aktueller Forschungsarbeiten zieht eine nachdrückliche Relativierung des Engagements des vormodernen Staates im Schulwesen nach sich und intensiviert die Einordnung der Bildungs- und Schulgeschichte in lokale und regionale gesellschaftliche Zustände.

In diesem Zusammenhang spielt das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte, sechsjährige Forschungsprojekt „Das niedere Schulwesen in der Schweiz am Ende der Frühen Neuzeit. Edition und Auswertungen der Stapfer-Enquête von 1799“ eine wichtige Rolle. Die sog. Stapfer-Enquête, eine umfassende Schulumfrage, die im Jahr 1799 zur Zeit der Helvetischen Republik flächendeckend an alle Formen von (hauptsächlich) niederen Schulen innerhalb der deutsch- und französischsprachigen Schweiz verteilt wurde, ermöglicht es, genau an dieser defizitären Forschungsstelle den teils pessimistischen, alten und vor allem in der schweizerischen Bildungsforschung noch sehr lückenhaften Forschungsstand des 18. Jahrhunderts zu ergänzen bzw. zu revidieren.

Die auf Ende September/Anfang Oktober 2015 an der Universität Bern geplante Tagung zur frühneuzeitlichen Bildungsforschung stellt dieses Credo in den Mittelpunkt des Interesses und zielt darauf ab, differenzierte Einblicke in die Entwicklung, Dynamik und Sys tembildung der schulischen Institutionen und ihrer Akteure zu präsentieren. Als Abschluss des Stapfer-Projektes dient die Veranstaltung dazu, aktuelle Forschungserkenntnisse im Kontext der Stapfer-Enquête aus den Bereichen Schulgeschichte, Schulalltag und Schulwissen zu präsentieren. Gleichzeitig möchte die Tagung aber auch die interdisziplinäre Vernetzung stärker fördern und richtet sich deshalb ausdrücklich sowohl an etablierte WissenschaftlerInnen als auch an jüngere ForscherInnen aller angesprochenen Fachbereiche innerhalb der historischen Bildungs- und Kulturforschung. Das Call for Papers möchte Gastreferenten die Möglichkeit bieten, die Stapfer-Enquête als Referenzdaten zu verwenden. Wünschenswert sind thematische Ausarbeitungen in den Bereichen Schulalltag (Lehrer, Schüler, Schulbesuch) und Schulwissen (Curriculum, Unterricht, Lehrmittel), bei denen beispielsweise die Resultate der eigenen Forschungsarbeit mit den Daten innerhalb der Stapfer-Enquête eine Ergänzung, Bestätigung oder einen Widerspruch finden. Die Tagungssprache ist deutsch; die passive Kenntnis von französischer Sprache ist von Vorteil. Die Kosten für Reise, Unterkunft und Verpflegungen werden von den Veranstaltern übernommen.

Bewerbungen mit einem kurzen Exposé bis spätestens 01. Dezember 2014 per E-mail an: nadine.pietzko@uzh.ch.

Organisiert von: 
Universität Bern; Universität Zürich; Université du Luxembourg

Veranstaltungsort

Universität Bern,
Hallerstr. 6
3012
Bern

Kontakt

Nadine Pietzko

Zusätzliche Informationen

Kosten

0.00 CHF

Anmeldung